Minderung des Crosstalks am Samsung 50C7790
Februar 20th, 2011Wer meinen Blog bisher verfolgte, kennt das Problem: mit der aktuellen Firmware (3007) wird der 50C7790 im 3D-Modus von relativ starkem Übersprechen der Stereoteilbilder („Ghosting“) geplagt. In einem früheren Eintrag habe ich schon beschrieben, dass die hauptächliche Ursache meiner Meinung nach im „langsamen“ Phosphor des Plasmapanels zu suchen ist.
Sind da noch andere Faktoren?
Verfolgt man jedoch die einschlägigen Foren, berichten aber viele Besitzer dieses Plasmaschirmes, dass das Problem mit Crosstalk in früheren Firmwareversionen weitaus weniger auffällig war. Da man dem Phosphor kaum mittels Update der Firmware zu Leibe rücken kann, muss da noch etwas anderes sein. Ehrlich gesagt, hat mir das keine rechte Ruhe gelassen.
Eine der möglichen weiteren Ursachen könnte zum Beispiel im Gleichlauf der Shutterbrille liegen. Wie ich in einem früheren Eintrag beschrieb, wird die Synchronisierung mittels Infrarotimpulsen hergestellt, die der Bildschirm über einen eingebauten Emitter zur Brille sendet. Wird das Timing schlecht gewählt, kann es durchaus auch zum Übersprechen kommen. Einfach wenn die Brille schon öffnet, wenn noch Reste des vorherigen Bildes zu sehen sind.
Ohne Bastelei geht nichts
Leider gibt es im Menü des C7790 keinerlei Eingriffsmöglichkeiten, um den Synchronimpuls zeitlich zu verschieben. Um dieses mögliche Problem zu erforschen, blieb also nur der steinige Weg: eine Hardware bauen, die diesen Impuls verzögern kann. Etwas Erfahrung mit Elektronik habe ich, insofern ein Projekt für einen verregneten Samstag. Aus einer alten programmierbaren Fernbedienung habe ich mir eine Empfangsdiode und ein IR-Sendediode ausgeliehen, dazwischen einen Verstärker und einen Microcontroller (Microchip 16F676 für Kenner der Materie) gekleistert und – der schwierigste Teil – einen IR-Sender mit passabler Reichweite angefügt. Das ganze, wie unten im Bild zu sehen auf einem Steckbrett aufgebaut.

Die Empfangsdiode habe ich mit einer flexiblen Leitung und etwas Klettband so am IR-Emitter des TVs angebracht, dass die Originalsignale geblockt werden und meine Schaltung entsprechende Synchronsignale zur Brille sendet. Ein kleines Programm im Controller bildet das Signal nach (5 Pulse je 45us), mit dem die Brille auf Kurs gebracht wird. Aber das wichtigste daran: nachdem der Controller das Signal des TVs erkennt, legt er erst mal eine (einstellbare) Pause ein und schickt dann die Nachbildung zur Brille. Die Impulsverzögerung kann ich zwischen 0 und ca. 4ms einstellen. Samstags Abend begann es auch zu funktionieren, nach ein paar Leistungssteigerungen in der IR-Endstufe nun sogar ganz passabel.
Das Ergebnis…
…war kurz gesagt verblüffend! Bei der Verzögerung von ca. 1,7ms minderte sich das Übersprechen so stark, dass es in realen Bildern deutlich weniger auffällt. Mehr als ich zu hoffen wagte! Beim „Fanta 4“ Konzert – eine meiner wirklich harten Testscheiben – waren die Doppelkonturen zwar teils noch sichtbar, aber wesentlich schwächer und in vielen Fällen kaum mehr störend. Bei „The Eye“, eine Doku zur Weltraumforschung von Sky3D, fand ich eine Stelle, in der die Schatten eines Gestänges praktisch verschwanden. Der Raumeindruck des Bildes war sichtbar besser.
Ich habe auch versucht, die Verbesserungen mit dem bekannten „Zahlen“ Testbild zu dokumentieren, aber es ist ziemlich schwer, durch die Shutterbrille zu fotografieren.

Die rechte Hälfte habe ich mit dem originalen Synchronsignal des Samsungs aufgenommen, die linke Hälfte mit dem um 1,7ms verzögerten Sync aus meinem Testboard. Ich habe beide Fotos mit gleicher Belichtungszeit und Blende aufgenommen. Die Bilder unterscheiden sich von der tatsächlichen augenscheinlichen Wahrnehmung, aber da ich sie unter gleichen Bedingungen aufgenommen habe ist der Unterschied klar zu sehen: der Ghost im unteren Teil des Bildes ist bei Verzögerung (linkes Bild) um einiges dunkler. Bei direkter Betrachtung (also nicht im Foto!) kann man mit Originalsync die 3 gerade noch erkennen, mit verzögertem Sync etwa die 5. Also nicht weltbewegend besser, denn zum Beispiel am JVC-DLA X7 sehe ich bei diesem Testbild überhaupt keinen Ghost! Aber technisch gesprochen, wird die Luminanz des Ghosts beim Samsung durch die Verzögerung ein paar dB abgeschächt – und das macht ordentlich was im Raumeindruck des Bildes aus!
Reine Vermutung
Ich vermute mal, dass bei früheren Firmwareversionen das Timing des Synchronimpulses besser gelöst war und ein ähnlicher Effekt wie mit meiner Testschaltung zu beobachten ist. Das würde jedenfalls die Einträge in den Foren erklären. Samsungs Firmware ist „eine für alle“, also eine einzige Firmware, die sich sowohl bei LCD und Plasma aufspielen lässt. Womöglich wurde hier etwas geändert, was bei LCD positiv war, aber bei Plasma eben zur Verschlechterung führte. Ist aber wie gesagt eine reine Vermutung.
Weitere Beobachtungen
Ein paar Beobachtungen möchte ich noch loswerden: durch die Verschiebung wird das Bild einen Tick heller. Jedoch nicht in den Lichtern, eher bei dunklen Hintergründen zu sehen. Woher das kommt, kann ich mir derzeit nicht erklären. Lässt sich durch Absenken der Helligkeit im Bildmenü ausgleichen. Verzögert man zu viel (Richtung 4ms), verschieben sich die Farben und schließlich werden helle Bereiche grieselig. Optimal schien mir ein Wert von knapp unter 2ms.
Ergebnis: Samsungs Mithilfe ist gefragt!
Um es klar zu sagen: auch mit einer Verschiebung des Brillensyncs lässt sich das Ghosting des 50C7790 nicht komplett eliminieren. Aber es lässt sich sichtbar verbessern. Samsung sollte diese Änderung unbedingt in die nächste Firmware einfließen lassen. Ideal wäre ein Regler zur Anpassung, aber auch einfach eine feste kleine Verschiebung des Sync würde die 3D-Abbildung dieses TVs wesentlich verbessern. Andernfalls bliebe nur der Einsatz einer externen Schaltung – aber warum so ein Aufwand, wenn es so viel einfacher ginge!






